Beziehungswert Gedanken

Erweitertes Kommunikationswissen für den Pflege- und Sozialbereich:
Können Sie bewusst sprechen…oder reden Sie nur dahin?

 

Rund 16.000 Wörter verwenden wir im Durchschnitt pro Tag1, begleitet durch eine komplexe Körpersprache, die wir zum Teil nicht wirklich im Griff haben, weil sie ungehemmt unsere authentische innere Gefühlswelt und unser Unterbewusstsein widerspiegelt.

 

Inhaltlich variieren unsere Botschaften an die Außenwelt enorm, vom Dschungelcamp-Smalltalk bis zu Erkenntnissen der Quantenphysik – alles ist machbar mit der richtigen Kombination aus nur 26 Buchstaben und ein paar Betonungsvarianten.

 


Sprache ist ein mächtiges Werkzeug aber wir haben nie gelernt, damit bewusst umzugehen

 

Wenn Sie sich im Baumarkt einen Akkuschrauber kaufen, erhalten Sie dazu meist eine umfangreiche Anleitung, die alle Möglichkeiten, Eventualitäten und Gefahren im Umgang mit diesem Werkzeug beschreibt. Und für Sprache?

 

Hat man Ihnen irgendwann bewusst beigebracht, wie Sie Sprache bewusst einsetzen – ohne sich selbst und andere damit zu verletzen? Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht, wie Sie Sprache so einsetzen, dass Sie Ihre Gedanken, Werte, Träume und Anliegen dem Gegenüber in einer passenden Form mittteilen, dass er/sie verstehen, akzeptieren und empathisch annehmen kann?

 

Gab es in Ihrer Grundschulzeit einen Schwerpunkt, wie Sprache beim Gegenüber wirkt? Wie Sprache dazu aktiv beiträgt im Gegenüber Empathie oder Ablehnung zu erreichen? Wahrscheinlich eher nicht. Oft läuft es eher frei nach Shakespeare: „Sie spricht Dolche und jedes Wort sticht." (Viel Lärm um nichts) Das passiert vor allem, wenn wir unseren Selbstwert durch Kommunikation anderer beschädigen lassen, in die Verteidigungs-/Macht- oder Rachehaltung gehen oder insgesamt impulsiv reagieren statt zu "agieren". Zu viel unbewusste Reaktion statt bewusste Kontrolle des Werkzeugs Sprache.

 

 

Intuition ist nicht zu verachten, Sie kann beeindruckend wirksam sein – aber auch brandgefährlich – speziell, wenn Sie Ihre sprachlichen Trigger nicht kennen oder die jener Menschen, die sie umgeben. Wer Kommunikation verstehen will, sollte sich disziplinübergreifend (Neurologie, Ethik, Soziologie, etc) damit auseinandersetzen.

 

 

Wenn Sie nicht wollen, dass Sie „geschliffene Dolche sprechen“ - stellen Sie sich die Frage: Was bringt Sie persönlich auf die Palme, welcher Wert ist für Sie und das Gegenüber der Wichtigste (Stichwort: Diversity)?

 

Und welche sprachlichen Muster verwenden Sie bewusst oder unbewusst, die andere Menschen emotional hochfahren lassen? Welche sprachlichen Muster lassen Sie emotional hochfahren und verhindern, dass Sie ganz bei sich bleiben?

 

Spätestens wenn Sie Verantwortung für andere Menschen tragen (im Pflege-/Sozialbereich tätig, eine Führungskraft von Teams oder ein Elternteil sind) ist es Zeit, über das eigene Verhalten und die verwendete Sprache zu reflektieren.

 

 

Die sprachlichen Trigger und inneren Antreiber bei sich und anderen zu erkennen, ist essenziell – für Ihr Seelenwohl und das der anderen. Denn erst wenn man die eigenen persönlichen sprachlichen Trigger und Antreiber kennt, erst dann ist man den Botschaften anderer Menschen nicht mehr emotional hilflos ausgeliefert und man verletzt andere nicht mehr unbewusst. Machen Sie einen kleinen Test: Wie wirken diese Sätze auf Sie?

 

„Das kannst Du nicht!“

„So geht das nicht!“

„Das geht besser“
„Stell Dich nicht so an“

 

 

Bewegen Sie diese Aussagen emotional?

Regen die Sätze nur kurz zum Nachdenken an oder ärgert es Sie regelrecht, wenn Sie so etwas hören?

 


Wenn Sie  persönlich für die Aus- und Weiterbildung von Menschen im Pflege- und Sozialbereich verantwortlich sind: 

 

  • Beinhaltet der Unterricht Ihrer Institution die Zusammenhänge von Wahrnehmung, neuronaler Verarbeitung, Emotion und Kommunikation?

  • Wird praxisnah vermittelt, wie man mittels Sprache Konflikte eskalieren lässt oder deeskalieren kann?

  • Wird in Ihrem Unterricht der Empathie ein besonderer Stellenwert gegeben?

  • Trägt Ihr Unterricht aktiv zur Persönlichkeitsentwicklung der Auszubildenden bei?
  • Sind Ihre Vortragenden am Letztstand disziplinübergreifender wissenschaftlicher Erkenntnisse und verfügen Sie über eine kompetente Kommunikations-Ausbildung auf Master-Niveau?

  • Haben Ihre Vortragenden eine pädagogische/didaktische Grundausbildung?

  • Mit anderen Worten: Wird in Ihrem Unterricht spannend und praxisnah vermittelt, wie man das Werkzeug Sprache professionell einsetzt oder "nur drumherumgeredet und "grenzwertige oder kindische" Selbsterfahrungsübungen gemacht"?

 

Wollen Sie in Ihrer pflegerischen/sozialen Aus- und Fortbildung kompetenten, spannenden und praxisnahmen Kommunikationsunterricht ?
(hier klicken)

Zielgruppenspezifischer Unterricht geeignet für: HeimhelferInnen / PA & PFA / DGKP
Tageseltern / KinderbetreuerInnen / SozialpädagogInnen / ElementarpädagogInnen

 

 




Wenn Sie bei diesen Sätzen ärgerlich werden, hilft es darüber nachzudenken, wie Ihre Sprache und ihre Emotionalität zusammenhängen. Und es wird Zeit darüber nachzudenken, welche Ihrer Ego-States (Ich -Zustände) bei Triggern zu Tage treten, wenn andere Ihnen Feedback geben oder Sie persönlich oder in Ihrer Leistung beurteilen. Nicht selten haben wir es mit "alten Mustern" der eigenen Kindheit zu tun, die als Selbstschutz vielleicht sinnvoll waren, aber im Erwachsenenleben als trotzige Reaktion nicht mehr angebracht sind - und auch im Erachsenenalter nicht mehr toleriert werden.

 

 

Der Weg zur Selbstreflexion führt unweigerlich in die eigene Kindheit, die Bindungsqualität zu den eigenen Eltern und deren Kommunikationsverhalten und eventuell führt die gedankliche Reise sogar noch weiter zurück: Transgenerationale Traumata können bewirken, dass wir auf Situationen hochemotional reagieren. Verstrickungen und Traumata, die wir gar nicht bewusst kennen und gar nicht selbst erlebt haben.

 

 

Was irgendwie nach Esoterik und Selbstfindungs-Wochenendseminar klingt, ist inzwischen wissenschaftlich belegt2 : Umweltbedingte Resilienz (Widerstandsfähigkeit) ist der Forschungsgegenstand des Zellbiologen Bruce Liptone (Stanford University), er zeigt auf, dass unsere DNA* von negativen wie auch positiven Gedanken, Glaubenssätzen und Emotionen beeinflusst werden kann und an die nachfolgenden zwei Generationen weitergegeben werden kann. Inklusive der damit verbundenen chronischen Krankheitsbilder, die sich durch den stressbedingt erhöhten Cortisolspiegel (Stresshormon) körperlich manifestieren. Spätestens jetzt sollte deutlich sein, warum Menschen im medizinischen/pflegerischen/sozialen Bereich die Zusammenhänge von körperlichen Erkrankungen und Kommunikation bestens verstehen sollten - weil man Menschen nur ganzheitlich wahrnehmen kann, wenn man die interdisziplinären Teilaspekte kennt.

 

 

Die eigene Sprache zu analysieren hilft im Zusammenleben ...und bei seelischen und körperlichen Wehwehchen

 

Tradierte Traumata lassen sich in einer Therapie mittels der sehr auffälligen Schlüsselsprache auffinden und aufarbeiten. Ein bewusstes Auseinandersetzen bewirkt, dass gespeicherte Trauma-Bilder, die im nicht-deklarativen Gedächtnis gespeichert sind ins deklarative Gedächtnis überführt werden und damit bewusst und greifbar werden.

 

Erinnern Sie sich an das Märchen „Rumpelstilzchen“? Wenn man den Namen herausfindet, ist das Problem verschwunden. Wer das Grundtrauma (sein eigenes oder das durch Generationen tradierte) benennen kann, befreit sich einerseits von emotionalen Ausbrüchen, seelischen Verletzlichkeiten und andererseits wird Sprache bewusster und reflektierter eingesetzt.
Und hier nochmals die Anfangsfrage: Können Sie sprechen…oder reden Sie nur?

 

Wenn Sie nur intuitiv reden, werden Sie die Kommunikationspartner in Pflege, Sozialbereich oder im sonstigen beruflichen Kontext eher nur per Zufall erreichen oder im schlimmsten Fall verärgern und Kommunikationssperren auslösen. Niemand im Marketing würde so agieren - ein Fokus auf die Zielgruppe ist Grundbedingung. Warum also nicht auch in Pflege- und Sozialbereich? Wollen Sie, dass Ihre Botschaft beim Gegenüber ankommt? Wollen Sie das Gegenüber verstehen? Na dann....

 

Die deutsche Sängerin Nina Hagen bringt es in einem Lied3 auf dem Punkt „Und vor dem ersten Kinderschreien, muss ich mich erstmal selbst befreien“. Selbstreflexion bevor man Mama oder Papa wird - oder für andere Menschen Verantwortung trägt - das wäre ideal.

 

Wer nur intuitiv kommunizieren kann, hat diese Freiheit nicht erlangt. Erst die Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens gibt einem die  Möglichkeit, die Verantwortung für Kommunikation zu übernehmen und sich aktiv für verschiedene Varianten, wie ein Gespräch ausgeht, zu entscheiden.

 

Praxisorientierter und spannender Kommunikationsunterricht ist daher mehr als ein paar gängige Kommunikationstheorien zu streifen oder "Do´s und Dont´s" auswendig zu lernen - Kommunikation ist so komplex wie der Mensch selbst - das kompetente Vermitteln von Kommunikationswissen ist Persönlichkeitsentwicklung.

 

Wenn Sie bewusst kommunizieren, Ihre Wahrnehmung und Ihr Verhalten reflektieren, werden Sie professionell, zielgruppenorientiert und erfolgreich kommunizieren – das erleichtert auch Ihnen den beruflichen Alltag und die Compliance des Gegenübers.

 

 

 

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1 https://www.spektrum.de/frage/reden-frauen-mehr-als-maenner/1656438

 

2 zB hier: Studie von Rachel Yehuda (2005) zeigte, dass Stressmuster von werdenden Müttern auf die Kinder übertragen werden. Schwangere, die 9/11 (Angriffe World Trade Center) UND „Spermien vergessen nichts!“ (B. Rodgers et al., .Paternal Stress Exposure Alters Sperm MicroRNA Content and Reprograms Offspring HPA Stress Axis Regulation. Journal of Neuroscience, 22. Mai 2013; 33(21): 9003-9012)

 

3 „Unbeschreiblich weiblich“ Nina Hagen

 


 

Ein Essay zur Notwendigkeit einer interdisziplinär ausgerichteten Professionalisierung von Kommunikation in Sozial- und Pflegeberufen.

 

Petra Lippay,MA
akadem. Kommunikationsmanagerin und Dipl. Elementarpädagogin

Freie Referentin in Aus- und Weiterbildung Soziale und Pflegerische Berufe

31.1.2024 veröffentlicht auf beziehungswert.at